Daniel Hosenberg

geboren 1985 in Kärnten / Österreich

aufgewachsen in Klagenfurt am Wörthersee und St.Georgen am Längsee

Vater: Lokomotivführer & Priesteranwärter

Mutter: Multijobberin & Tausendsassa

studierte von 2007 bis 2010 an der Hfbk Hamburg

arbeitete unter anderem als: Kartenabreißer & Musicalsecurity, Illustrator, Museumswärter, Katzenkratzbaumentrinder, Teppichreiniger, Grafiker, Kunststoffgusstechniker und Hilfsarbeiter

mag Schlafen, Horizonte, Fenster und Baustellenabfall

Lebt und arbeitet in Wien

 

Ausstellungen (Auszug)

2008 Gemma Kunst schaun (Villach / Österreich)
2009 Die Zelle (Wien / Österreich)
2009 Mutter / Atelier Goto (Wien/Österreich)
2010 Soße / Reinraum (Hamburg / Deutschland)
2010 O.T. / Atelier Goto (Wien/Österreich)
2010 Gemma Kunst schaun (Villach / Österreich)
2011 Ausstellung Ausstellung / Wienfluss Untergrund (Wien / Österreich)
2011 5 Jahre Goto / Galerie Artlane (Klagenfurt / Österreich)
2012 schwimm schwamm geschwommen / Zaiana (Peschici / Italien)
2012 Gemma Kunst schaun (Villach / Österreich)
2016 1000 Jahre Goto / Bandgasse (Wien / Österreich)
2017 Girardi 7 / Girardi 7 (Wien / Österreich)
2017 Goto bleibt / Stift Millstatt (Millstatt / Österreich)
2017 Diorama K17 (Krumpendorf / Österreich)
2017 Hosenberg/Kugelmugel / Republik Kugelmugel (Wien / Österreich)
2018 Hasardspiele / Raum 8, Darkcity (Klagenfurt / Österreich)
2018 Bankaustria Kunstpreis (Shortlist) / Galerie 3 (Klagenfurt Österreich)
2018 Goto Worldtour / Foundus  (Laibach / Slowenien)
2018 Diorama K18 (Krumpendorf / Österreich)
2018 Creative Cluster Opening / Traktorfabrik  (Wien / Österreich)
2018 Parallel Vienna (Wien / Österreich)
2018 no disco behind (Zhytomyr / Ukraine)
2018 Vienna Art Week / Traktorfabrik / (Wien / Österreich)

Betrachtungen am Tellerrand

Auf den Blick kommt es an! Er kann alles filtern, vergessen oder speichern!

Die junge figurative Malerei Daniel Hosenbergs ist vor allem eines: überraschend intensiv. Seine auf Industrieplane gemalten Bilder basieren zwar auf realen Motiven, wie Handyfotos oder Filmstills, aber das Abbild, das er wiedergibt transportiert weit mehr als die sogenannte Wirklichkeit. Was er zeigt ist die Symbiose zwischen dem Beobachteten, den ins Auge gesprungenen Details und Gesten und seiner künstlerischen Interpretation.

Bewusst wählt er als Bildträger Kunststoffplanen – nicht nur um Lagerprobleme zu lösen und mit einer ganzen Ausstellung unter dem Arm reisen zu können – sondern auch weil sie eine eigene Konnotation und Ästhetik haben, die in die Zeit passt. Es ist ein robustes und widerstandsfähiges Material, das vor allem in der Transport- und Werbebranche verwendet wird, das Hosenberg >upcycelt< und es mit Kunst aufwertet. Auf eine ganz eigenartige Weise gilt das auch für die Motive die er wählt, die alle – abgesehen von Filmscreenshots – Triviales und Alltägliches zeigen und den Eindruck flüchtiger Szene vermitteln, deren ganz zufälliger Beobachter er ist. Erst durch seine Malerei werden sie in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt. Entscheidend dabei ist immer sein ganz subjektiver Blickwinkel und der Moment, in dem sein Interesse geweckt wird.

Nichts ist zentral – der goldene Schnitt hat ihn noch nie interessiert – seine Szenen sind radikal beschnitten, wirken unprätentiös unspektakulär und beliebig, vielleicht bleibt der Blick gerade deshalb an ihnen hängen. Er gibt nicht vor etwas von Bedeutung darzustellen, vielmehr wird man selbst zum stillen Augenzeugen ganz banaler und intimer Begebenheiten. Durch den extremen Ausschnitt, den er wählt, verschiebt er subtil die Bedeutungsebenen. Er setzt Akzente und Prioritäten und konstruiert damit die Szene neu. Ein Kind in der offenen Autotür, ein sonnengebräuntes Bein am Rücksitz, eine en passant wahrgenommene Neonleuchtschrift und Fassade, eine Zapfsäule, ein belangloser Strassenabschnitt, eine amerikanisch anmutende Kellnerin mit obligater Filterkaffeekanne, ein Gasthaustisch oder der zufällige Blick auf Menschen werden zu Bildern voller Assoziationen und eigenwilligen Geschichten.

Hosenberg hebt mit Pinsel und Farbe Einzelheiten hervor, betont kleine Details oder lässt Hintergründe einfach verschwinden. Er filtert, reduziert und interpretiert das Gesehene, indem er den Blick auf Neues lenkt und bringt damit einen formalen und inhaltlichen Diskurs in Gang. Die Farbe lässt er >aus dem Bauch< heraus fließen und das Malen auf Plane bringt Freiheit und erlaubt ihm jeden gewünschten Farbauftrag. Mal dicht und pastös, dann wieder ganz transparent, entstehen seine immer etwas unscharf und verschwommen wirkenden Motive. Er malt mit Acrylfarben in vielen Schichten, die wie Filter funktionieren mit denen er die Fotovorlage, Schritt für Schritt, in Malerei verwandelt.

Was seine Arbeiten so anziehend macht, ist seine vorbehaltlose und direkte Subjektivität und die unmittelbare Intensität seiner Reduktion. Er zeigt was ist und doch ist es ein Spiel zwischen dem Offensichtlichen und dem Verborgenen. Vielleicht ist das der Grund, warum man unbedingt mehr erfahren möchte über die Geschichten, die er zu erzählen hat. Das kann sich sehen lassen!

ULLI STURM

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Daniel Hosenberg – Bandgasse 1070 Wien – Austria